Am Samstag, dem 15. November 2025, veranstaltete die Jiu-Jitsu-Karate-Schule in Augsburg einen Lehrgang zum Thema „Martial Arts zwischen Tradition und moderner Selbstverteidigung“. Angereist in die große Halle des TSV 1871 in Augsburg-Oberhausen waren über 100 Budokas aus Bayern und Baden-Württemberg und Brandenburg. Ein Teilnehmer nahm sogar den weiten Weg aus Schottland auf sich. Der stil- und verbandsoffene Lehrgang stand unter der Schirmherrschaft des „Deutschen Jiu-Jitsu-Ring Erich Rahn“ (DJJR) und des „Deutschen Danträger- und Budolehrer-Verband“ (DDBV). Anwesend waren der Präsident des DDBV, Bodo Blumentritt (7. Dan), sowie Shihan Lothar Sieber (10. Dan), der Vorsitzende des Großmeisterkollegiums des DJJR. Besonderer Dank gilt auch dem Referent für Sport der Stadt Augsburg, Herrn Jürgen Enninger, der den Lehrgang besucht hat und sich ein ausführliches Bild der Kampfsportszene in Augsburg und Region machen konnte.
In drei Hallen unterrichteten 7 Referenten in insgesamt 5 Einheiten, sodass alle Budokas die Möglichkeit hatten, möglichst viel Trainingseindrücke zu bekommen sowie unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen.
Christian Brandt (8. Dan Zen-Do-Karate, 7. Dan Jiujitsu-Karate) von der Abteilung Kampfsport der SpVgg Hebertshausen 1920 e.V. zeigte wie das hoch effektive Karatesystem Zen-Do-Karate als realistische Verteidigung gegen verschiedene waffenlose Angriffe funktioniert. Dabei ging er auf die Prinzipien des Selbstverteidigungskarate ein und zeigte eindrucksvoll, wie es sich von den „versportlichten“ Karatestilen unterscheidet.
Der Augsburger Polizeibeamte und Träger des 4. Dan Jiujitsu-Karate, Ecevit Caliskan, zeigte in seinen Einheiten Verteidigungstechniken gegen Angriffe mit Stöcken und Messern und verdeutlichte anhand seiner jahrzehntelangen Erfahrung bei der Polizei die zunehmende Häufigkeit und extreme Gefährlichkeit solcher Attacken.
Dr. Fabian Horn (6. Dan Aikido, 3. Dan Jiu-Jitsu) präsentierte effektive Hebeltechniken, mit denen man körperlich überlegene Gegner kontrollieren und in der extremen Notwehrsituation auch kampfunfähig machen kann. Dabei ging er als Aikidomeister auch auf die Körpermechanik und die Grundform der unterschiedlichen Gelenkhebel ein.
Bernhard Lechner (4. Dan Iaido) repräsentierte den Kampfkunst-Aspekt des Budo. Er demonstrierte traditionelle Techniken aus dem japanischen Schwertkampf, darunter auch diverse Partnerübungen mit Boken.
Die beiden Brazilian Jiu-Jitsu Blackbelts Michael Matzner und Michael Schey der Roll’n Flow Kampfsportschule aus Meitingen unterrichteten die Basics des BJJ-Bodenkampfes für effektive Verteidigung in der Bodenlage, also der denkbar unvorteilhaftesten Position in der Selbstverteidigung. In ihrer letzten Einheit wurde den Teilnehmern auch die Möglichkeit geboten, einige intensive Sparringrunden zu bestreiten mit ausführlichen Tipps und Coaching der beiden BJJ-Experten. Einmal mehr wurde hervorgehoben, wie wichtig „pressure tests“ im Sparring für die Erprobung der Funktionalität von Techniken im Kampfsport sind.
Der Lehrgang-Organisator und Dojoleiter der Jiu-Jitsu-Karate-Schule Augsburg e.V. Patrick Ramponi (4. Dan) beschäftigte sich mit Verteidigungsmöglichkeiten gegen „klassische“ MMA-Techniken wie Low Kicks, Schlagkombinationen und Take-Downs. Er verdeutlichte, dass, aufgrund der immensen Popularität der sog. „Käfigkämpfe“, diese Techniken auch immer häufiger auf der Straße auftauchen und sich tradierte Jiu-Jitsu-Systeme darauf einstellen müssen, dagegen effektive und realistische Verteidigungsformen zu entwickeln.
Am Ende des Lehrgangs wurde Christian Brandt aufgrund seiner Verdienste um den Budo-Sport sowie der Verbreitung der Kampfkünste der 9. Dan Zen-Do-Karate sowie der 8. Dan Jiujitsu-Karate verliehen. Soke Lothar Sieber erklärte ihn zu seinem Nachfolger als Soke des Karatestils Zen-Do-Karate Tai Te Tao. Wir gratulieren an dieser Stelle dazu nochmals sehr herzlich! Herzlichen Dank gebührt auch Hannelore Sieber (10. Dan) und Kim Goerens für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation dieses rundum erfolgreichen Lehrgangs.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainierten mit großem Einsatz und offenem Mindset in gegenseitigem Respekt und sportlicher Kameradschaft. Nach dem Lehrgang wurde sich in gemütlicher Runde im Brauhaus Riegele gestärkt und bis in den späten Abend rege ausgetauscht.
Bericht: P. Ramponi



